Donnerstag, 11. Mai 2017

Weisung des VdRBw-Präsidenten an alle Gliederungen: "Wehrmachtsdevotionalien haben im Verband nichts zu suchen."

Noch vor der Veröffentlichung des Schriftstückes auf der Verbandshauptseite erreichte mich -als Mitverantwortlicher einer VdRBw-Untergliederung- gestern folgender offizieller Aufruf des Präsidenten des Verbandes des Reservisten der Deutschen Bundeswehr, Herr MdB Oswin Veith:

Sehr geehrte Herren Landesvorsitzende,liebe Kameradinnen und Kameraden, 
uns allen ist nicht entgangen, dass in der Bundeswehr aktuell Probleme mit einzelnen Fällen von Rechtsextremismus bestehen. Die Ministerin klärt auf, um Schaden vom Ansehen der Bundeswehr abzuwenden. Gerade heute wurde ein zweiter Soldat verhaftet. 

Wir – der Reservistenverband – stehen zu unserer Bundeswehr und ihrer Tradition, die sich nicht auf Werte und Geschichte der Wehrmacht stützen kann. Wir alle haben uns verpflichtet – die meisten von uns per Eid oder Gelöbnis – für die freiheitliche demokratische Grundordnung einzutreten. Deshalb bin ich sicher, dass Sie mit mir übereinstimmen, dass extremistische Tendenzen – ob von links oder rechts – in unserem Verband nichts zu suchen haben. 

Dies ist bei 115.000 Mitgliedern, organisiert in mehr als 3.000 Untergliederungen, nicht einfach zu überschauen. Ich bitte Sie deshalb, aufmerksam in Ihren Bereichen dafür zu sorgen, dass unser Verband nach Außen als das wahrgenommen wird, was er ist: Ein Verband an der Seite der Bun-deswehr für unsere Demokratie. 

Seit 57 Jahren ist der Reservistenverband ein verlässlicher Partner der Bundeswehr und das wollen wir auch weiterhin bleiben. Sie alle erbringen herausragende Leistungen – jeden Tag, bundesweit. Das sollten wir uns nicht von Einzelnen zerstören lassen. Extremisten und Wehrmachtsdevotionalien haben im Verband nichts zu suchen. Sie schaden unserem Ansehen, unseren Zielen, unseren Werten und gefährden den Bestand des Verbandes.

Bitte leiten Sie meinen Brief an alle Mandatsträger weiter.

Damit ist der Verband voll auf den seitens unserer Verteidigungsministerin, Frau Dr. von der Leyen, ins Rollen gebrachten, zumindest in Teilen und bei weitem nicht nur bei den Betroffenen doch höchst umstrittenen, Zug aufgesprungen.

Nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der Tatsache, dass gerade aktuelle Zahlen des MAD veröffentlicht wurden, wonach "rechtsradikale" Verdachtsfälle nicht zu-, sondern ganz im Gegengteil ständig abnehmen, bin ich mir höchst unsicher, wie ich den Brandbrief des VdRBw zu verstehen habe? Dass wir Extremismus in der Bw und im VdRBw nicht ansatzweise dulden können, bedurfte und bedarf keiner weiteren Erörterung, aber
  • Warum werden "Extremisten" und die sogenannten "Wehrmachtsdevotionalien" auf einmal in einem Atemzug genannt?
  • Sollen die Wehrmacht und damit unsere Väter und Großväter jetzt endgültig pauschal und ohne Unterschied zu Kriminellen oder doch zumindest Ehrlosen abgestempelt werden?
  • Was konkret ist gegen legal (es geht keinesfalls um verbotene Nazi-Symbole) besessene Wehrmachtsgegenstände / -darstellungen (um diese fürchterliche Wortkreation nicht nochmals zu gebrauchen) zu sagen, die aus historischem Interesse gesammelt und gepflegt werden - zum Beispiel in Gemeinschafts-/Vereinsräumen?
  • Da die Weisung des VdRBw aber nunmal ultimativ und ohne jede Einschränkung ausgesprochen wurde, welche (Rechts)Folgen soll eine etwaige Zuwiderhandlung -aus welchen Gründen auch immer- nach sich ziehen? Ausschluss aus dem Verband? Oder gar Entzug der Uniformtrageerlaubnis nach Meldung an das nächste LKdo? Oder noch mehr?!
  • Welche Frist wird für die von Fall zu Fall vermutlich fällig werdende "Säuberung" -um Frau vdL zu zitieren- gesetzt? Ich fühle bereits, wie sich der eine oder andere "Kamerad" gedanklich warmläuft, die allgegenwärtige "Nazi-Keule" zu ergreifen, um endlich den unliebsamen RK-Vorsitzenden oder sonstigen Mitstreiter durch eine enstprechende Meldung an das nächstgelegene LKdo kaltzustellen: "Herr Kommandeur, ich weiß was! Der im Vorgarten des RK-Heimes XY als Blumentopf dienende Wehrmachtshelm wurde noch immer nicht entfernt. Ich vermute tiefgehende rechtsextremistische Tendenzen im gesamten RK-Vorstand!!" Selbstverständlich will ich hier niemandem etwas unterstellen, aber die von mir erlebte Praxis gerade in der jüngsten Vergangenheit zeigt, dass Ähnliches bereits geschieht!
Fragen über Fragen, die sich -nach Allem, was ich so lese und höre- nicht nur mir als bravem Bürger, engagiertem Reservisten und Verfechter der FDGO, stellen. Vielleicht kann ja einmal ein Offizieller des VdRBw dazu Stellung beziehen. Bitte dann aber ebenfalls veröffentlichbar. Email im Impressum.

Danke!


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Aufgefallen:


Huffington Post: Innere Sicherheit: "Ist das Ihr Ernst?" Bei den Worten eines SPD-Politikers verlor Plasberg die Fassung

Wirtschaftswoche: Bundeswehr im Fadenkreuz

Roland Tichy: "Säuberungen" in der Bundeswehr

Der Postillon: Bundeswehr-Skandal: Massenweise Waffen bei Kasernen-Durchsuchung gefunden

RP Online: Von der Leyen bei der Selbstverteidigung „Säuberungen“ in der Bundeswehr (Zitat: "Nummer 25 des Traditionserlasses: "Das Sammeln von Waffen, Modellen, Urkunden, Fahnen, Bildern, Orden und Ausrüstungsgegenständen ist erlaubt. Es dient der Kenntnis und dem Interesse an der Geschichte und belegt, was gewesen ist." Somit wird die Summe der in der Truppe gefundenen Wehrmachtsgegenstände und -darstellungen noch nichts darüber aussagen, ob darin auch ein fragwürdiger Umgang mit der Geschichte, gar eine rechtsextremistische Neigung zum Ausdruck kommen.")

FAZ: Bundeswehr-Kommentar Exorzismus

WELT /N24: Die Casio-Smartwatch hat viele Outdoor-Qualitäten


N-TV: Der A400M ist nicht für den Krieg geeignet

ZDF: Video: Mit „Loyal“-Chefredakteur im Gespräch


Neues vom NATO-Partner:
  1. WELT / N24: Erdogan irritiert Israel mit Kritik an „Besetzung“ Jerusalems (Zitat: "Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Muslime der Welt aufgerufen, für die palästinensische Sache einzutreten. Jeder Tag, den Jerusalem unter israelischer „Besetzung“ sei, sei eine Beleidigung für sie, sagte er am Montag in Istanbul.")
  2. RP Online:  Kampffahrzeuge für Türkei Bundesregierung bestätigt Gespräche über Panzer-Deal
  3. Spiegel.de: Waffen für syrische Kurden
Bundeswehr.de:

 Stärkster Bunkerbrecher der Bundeswehr: Taurus schlägt ein 


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Donnerstag:

VOX: 2015 - 2250: Sherlock Holmes: Spiel im Schatten(Detektivthriller)

        2250 - 0055: Colombiana (Actionthriller)

Freitag:

PRO 7: 2015 - 2225: G.I. Joe – Geheimauftrag Cobra (Action)

           2225 - 0125: Watchmen - Die Wächter (Superheldenthriller)

RTL II: 2330 - 0125: Sin City 2 (Actionthriller)


Samstag:

VOX: 2015 - 2235: Deep Impact (Katastrophenfilm)

        2145 - 2230: Deutschlands Herrscher - Preußen (Geschichtsdoku)

Kommentare:

  1. Ach, Herr Gehm; wenn Sie naiv Themenkomplexe hinterfragen, wie:
    "Sollen die Wehrmacht und damit unsere Väter und Großväter jetzt endgültig pauschal und ohne Unterschied zu Kriminellen oder doch zumindest Ehrlosen abgestempelt werden?"
    beweisen Sie eigentlich recht eindrucksvoll selbst, von Geschichte ziemlich wenig zu wissen und eigentlich genau zu der Zielgruppe zu gehören, die als extremistische Graustufe bezeichnet wird. Mehr politisch-historische Bildung auch für Reservisten wäre ein erster Ansatz.

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  2. "Extremistische Graustufe" - interessant, danke für den Kommentar!
    Michael Gehm

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  3. Politische Bildung ist eine der Hauptaufgaben der Arbeit des Reservistenverbandes.
    Leider scheinen aber viele die Schießausbildung der geistigen Bildung eines Staatsbürgers in Uniform vorzuziehen.
    Schade !
    Bei manchen RK-Heim könnte man meinen man befindet sich in einem Weltkriegsmuseum.
    Das Problem ist im Reservistenverband schon lange bekannt, allerdings hat man bisher den Kampf gegen "Rechts" ausschließlich von einer Mitgliedschaft in der NPD abhängig gemacht.
    Die extremistische Graustufe beginnt allerdings schon bei "Militärromantikern" mit fraglichen Aussagen zu Wehrmacht, Waffen-SS u.ä. Themen.
    von daher meine volle Zustimmung an Max Sailor.

    Lieber Reservistenverband !
    Mit einem "Brandbrief" in Zeiten der medialen Aufmerksamkeit ist es alleine nicht getan. Den lesen die meisten Mandatsträger aufgrund fehlender Führungsstrukturen sowieso nicht !

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